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Die schmissigste Narrenweise stammt aus Frankreich

1841 ertönte zum ersten Mal der Narrhallamarsch in Mainz

Sein Komponist ist Adolphe Adam, ohne je davon zu erfahren, und das passt haarganau in das Lebensbild dieses französischen Konservatoriumsprofessors, der gleichzeitig Operndirektor und Klaviervirtuose war und 1856 in Paris starb. Als die sogenannte "Februarrevolution" in Paris ausbrach, musste er sein, auf dünner Finanzbasis geführtes Opernhaus, schließen und verlor dabei sein ganzes Vermögen. Dennoch blieb seine Schaffenskraft ungebrochen. Adam schrieb über ein halbes Hundert an musikalischen Bühnenwerken. Völlig vergessen ist eine komische Oper Adams mit dem Titel "Der Brauer von Preston". Auch das Theater in mainz bemühte sich ungesäumt um das Werk und führte es schon  15 Monate später, nämlich im Januar 1840 auf.

Der "Genius des Scherzes"

Von dem Pariser Komponisten Adam entlehnte ein österreichischer Kapellmeister mit dem bezeichnenden Namen Zulehner, in Mainz stationiert, die Noten zu einem Marsch den er dem "Genius des Scherzes", Jocus, widmete. Zulehner, mit österreichischem Temperament, gehörte zu den Gründern des 1838 gegründeten "MCV" des "Mainzer Carnevalsvereins". Ihm unterstanden die musikalischen Notwendigkeiten, doch mangelte es ihm an eigenem kompositorischem Genie.

Er verstand es gewiss seine Kapelle ausgezeichnet zu führen und insbesondere ein Pepertoire auf ihre Möglichkeiten zuzuschneiden. Eigene Kompositionen entsprangen ihm kaum, zumindest nicht originell aus seinem Kopf. Dafür hatte er ein gutes Gedächtnis und ein Gespür für die Wirkung, was er alsbald bewies. Als er sich im Mainzer Theater die Oper Adams ansah, blieben ihm zwei musikalische Partien besonders im Ohr, einmal Passagen aus dem zweiten Akt und natürlich das Finale. Da der MCV geradezu "händeringend" nach einer sogenannten "Erkennungsmelodie" suchte, mit der die zukünftigen Veranstaltungen eröffnet und abgeschlossen werden sollten.

Zulehner verschmolz was ihm da im Ohr nachklang und nannte das ganze "Jokusmarsch". Er wurde bei seiner ersten Intonierung 1841 vom Publikum auf der Stelle akzeptiert. Alle weiteren Versuche des Kapellmeisters, selbst solche tatsächlicher eigenständiger Art, schlugen fehl.

Narhalla

Zur "Narhalla" (Narrenhalle) avancierte damals in der Mainzer Altstadt ein Saal im Gasthaus "Frankfurter Hof". Zur Eröffnung dieser Sitzungsstätte für künftige Karnevalsveranstaltungen hatte Zulehner einen "Narhallamarsch" komponiert, der bei den Narren und Narhallesen durchfiel. "Mir wolle de Jokusmarsch!" verlangten sie. Von da an wurde er zu Beginn und zum Abschluss jeder närrischen Sitzung gespielt, der Narrhallamarsch, bis zum heutigen Tage.

Sein Text ist höchst eigentümlich:
"Ritzamban, Ritzamban, morche geht die Fassanacht an,
oh, was haww die Määnzer Mädcher schebbe Baan"

oh, was haben die Mainzer Mädchen krumme Beine, in der Übersetzung, was natürlich nicht stimmt. Das merkwürdige "Ritzamban" soll gegen den französischen Stadtkommandaten Ressembeau gerichtet gewesen sein, dem die "Mainzer Fassenacht" mit ihren damals schon politischen Ausschreitungen ein Dorn im Auge gewesen war, er sie deshalb zu verbieten trachtete. Allerdings ist diese Version nicht stichhaltig überliefert. So bleibt das Geheimnis um den Text, das wohl kein Narr zu entschleiern vermag.